Gemeindevorsteher, der Hauptmann genannt wurde, erwähnt wird, kannte wahrscheinlich schon im 15. Jahrhundert eine Art
Schützengemeinschaft, auf Grund einer Anordnung des Kölner Erzbischofs Rupprecht von der Pfalz. Die weit über 100 Jahre zurückreichenden Protokollbücher der Bruderschaft lassen uns aber als Gründungsjahr
das Jahr 1661 erkennen, wenn auch alte Urkunden bereits erwähnen, dass 1648 mehrere Schützen aus Walheim bei einem Kampf gegen die Lothringer bei Kalterherberg ihr Leben lassen mussten.
Die Gründungszeit
war jene Zeit voll Not und Leid, die der Dreißigjährige Krieg (1616-1648) unseren Landen gebracht hatte. Die aufgelösten Heere brachten ein Morden und Brennen landauf, landab mit sich. Die Landesherren standen diesen
wilden Horden machtlos gegenüber und der Abt des „Münsterländchens“ wird auch diesem Ansturm und den dauernden Überfällen nicht zu begegnen gewusst haben. Die Menschen waren auf Selbstwehr angewiesen. In dieser wilden
Zeit der Glaubens- und Völkerkämpfe kam es sehr oft vor, dass Priester bei nächtlichen Versehgängen überfallen und ermordet wurden, Tabernakel aufgebrochen und die heilige Eucharistie entweiht wurde.
Für die Schützenbruderschaften, die in jener Zeit entstanden, bedeutete dieser Schutz des verborgenen Heilandes die schönste und heiligste Pflicht, neben dem Schutz der Bevölkerung vor plündernden Überfällen. Diese
notwendig gewordene Selbsthilfe in jener rohen Zeit war der äußere Anlass, der zur Gründung der Bruderschaften führte. Wahrscheinlich umfasste sie damals die gesamte waffenfähige Einwohnerschaft. Mit einer straffen
Ordnung und einer harten Strafdisziplin stellte sich die Schützenbruderschaft bewusst in den Dienst der örtlichen Sicherheit, was für die Bevölkerung eine große Beruhigung war und sie vor manchem Unfug und mancher
Unsitte bewahrte.
Aus den Reihen der Bruderschaftsmitglieder wurden der Schützenhauptmann, der Fähnrich und der Schützenmeister gewählt. Bei festlichen Gelegenheiten trug der Fähnrich eine kleine
Schwenkfahne aus Leinen, die er kunstvoll um Kopf, Leib und durch die Beine zu wirbeln wusste. Wilde Schießübungen, die eine Vergeudung des Schießpulvers mit sich gebracht hätten, standen unter schwerer Strafandrohung,
da man für den Ernstfall genügend Blei und Pulver vorhalten wollte.
Die jährlichen Schützenfeste bildeten einen Höhepunkt im Jahresablauf. „König“ wurde derjenige, dem es gelang, den Vogel
herunterzuholen. Im triumphalem Festzug wurde er durch den Ort geführt und von der Bevölkerung umjubelt. Der Schützenkönig war verpflichtet, der Königskette ein neues Glied beizufügen. Aus echtem Silber musste es sein.
Die Namen der Schützenkönige unserer Bruderschaft liegen seit dem Jahre 1840 vor.
Ich möchte im Folgenden nur einige besondere Geschehnisse erwähnen. Im Jahr 1864 verstarb der amtierende Schützenkönig und
sein Vetter übernahm den restlichen Teil des Jahres den silbernen Vogel.
1883, führt das Inventarium der Bruderschaft an, dass der silberne Vogel mit „anhangend 62 Schildern“ vorhanden gewesen ist.
1903, so berichtet die Dorfchronik, wurde auf ein Schützenfest verzichtet, weil der Kriegerverein in diesem Jahr ein großes „Kriegerfest“ abhielt.
Ein Zeichen, wie die Schützenbruderschaft
rücksichtsvoll und freundschaftlich die Interessen der Dorfgemeinschaft respektierte und nicht nur eigene „Vereinsmeierei“ betrieb.
Die Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft Walheim 1661 e.V. ist heute
eine Vereinigung von Frauen und Männern, die sich der Aufgabe stellen, getreu dem Wahlspruch „Glaube, Sitte, Heimat“.
Die Bruderschaft widmet sich im Besonderen der Jugendpflege und der Pflege, Förderung
und Durchführung des Schießsports sowie der Brauchtumspflege.
Die Schützenbruderschaft veranstaltet im Frühjahr ein „Schießen für Jedermann“. Bei diesem Volksschießen wird der Bürgerkönig ermittelt.
Aus Anlass des Pfarrpatroziniums im Juli, wird eine 3tägige Sommerkirmes ausgerichtet.
Im Herbst wird seit mehr als 15 Jahren ein Wanderpokal unter den Walheimer Ortsvereinen ausgeschossen.
Diese Veranstaltung erfreut sich in den Vereinen einer großen Beliebtheit.
Zurzeit hat unsere Bruderschaft 21 aktive Mitglieder und 8 Jungschützen. Auf diese 8 jungen Menschen sind wir besonders stolz, da
nach langer Zeit wieder einige Jugendliche ihr Interesse am Schießsport gefunden haben. Die Bruderschaft wird ihr Mögliches tun und versuchen unserem Nachwuchs und dessen Fortbestand zu fördern.
Die
Walheimer Schützen stehen wie andere Bruderschaften auch vor dem Nachwuchsproblem. Den Schützenvereinen wird reichlich Alkoholkonsum nachgesagt und der Umgang mit Waffen wird von der Bevölkerung ebenso verurteilt.
Wir haben m.E. ein ramponiertes Image, welches es uns schwer macht, neue Jugendliche und aktive Mitglieder zu finden und an den Verein zu binden. Daher möchte ich diese Darstellung der Sankt Sebastianus
Schützenbruderschaft Walheim 1661 e.V. mit einer Bitte an den bis dato noch „nicht aktiven“ Leser abschließen:
Schauen Sie einmal in unsere Schützenhalle hinein und informieren sich unverbindlich. Unsere
Sportschützen sind nahezu jeden Donnerstag zwischen 19.00 Uhr und 21.00 Uhr auf dem Schießstand in der Vennbahnstraße 10. Wenn Ihnen Geselligkeit nicht suspekt ist und Sie Interesse an sportlichem Schießen haben, dann
sind Sie bei uns richtig.