Hunschaft Brand. Vermutlich entstammen Gründungsmitglieder der St. Rochus Schützenbruderschaft Oberforstbach daher der St. Donatus Schützengesellschaft
Brand. Der Gründung vorausgegangen war die Einsegnung der 1791 errichteten Kapelle in Oberforstbach, im Jahre 1834, worin der hl. Rochus verehrt wurde. Folglich gründete man im Jahre 1842, unter dem
Patronat des hl. Rochus, eine Schützengesellschaft in Oberforstbach. Welchen Anklang die Gesellschaft im Ort fand, geht daraus hervor, dass dem Gründungs -Festausschuss 108 Einwohner der Ortschaft angehörten. Im
Protokollbuch der Gesellschaft von 1880, heißt es über die Gründung: „Da es uns gefielt, in Oberforstbach eine Schützengesellschaft zu bilden, wie es in anderen Ortschaften schon eingeführt war, um sich gemeinschaftlich
an den Kirmestagen ein Vergnügen zu machen, teils auch um sich im Schießen zu üben, traten einige Männer zusammen, um in Oberforstbach auch eine Schützengesellschaft zu bilden.“
Das Gründungsstatut ist
nicht mehr erhalten, wohl aber eine Überarbeitung aus dem Jahre 1880, die seinerzeit noch vom Bürgermeister zu beglaubigen war. Im damaligen Vorstand finden wir Namen, die es auch heute noch in Oberforstbach, wie
auch bei den Schützen gibt.
In einer weiteren Statutenüberarbeitung im Jahre 1897, werden Strafen gemildert und die Vorstandsfunktionen nicht mehr nach militärischen Gesichtspunkten bezeichnet. Die
Mitgliederzahl steigt, wird aber durch den Tod von zehn Mitgliedern im 1. Weltkrieg, empfindlich getroffen.
Mit der Gründung der Erzbruderschaft vom hl. Sebastianus im Jahre 1928, wandelte sich die
Schützengesellschaft zu einer Schützenbruderschaft, schloss sich der Erzbruderschaft an und ist heute noch Mitglied in dem daraus hervorgegangenen Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften.
Im Rahmen der sogenannten Gleichschaltung, wurde im Jahre 1934 der damalige Vorsitzende der Bruderschaft abgesetzt. Das Vorhaben, den 1. Brudermeister durch ein Nichtvereinsmitglied zu besetzen, scheiterte
an der einstimmigen Ablehnung durch die Schützenbrüder. Im Jahre 1937, wurde der zwischenzeitlich wieder zum Vereinsführer gewählte 1. Brudermeister, wiederholt von der NSDAP abgesetzt. In der folgenden Zeit und im 2.
Weltkrieg, reduzierte sich der Verein auf 17 Mitglieder; 2 starben im 2. Weltkrieg.
Im Jahre 1946 trafen sich wieder Schützenbrüder, um das Schützenwesen erfolgreich neu zu beleben.
In der
Folge wurden 1956 neue Statuten verabschiedet und ein vom damaligen Pfarrer Schwinning gestiftetes Protokollbuch neu angelegt, das bis heute gepflegt wird. Im Vorwort mahnt er ein nicht mechanisches Anwenden der
Statuten an. Diese wurden teilweise den sich ändernden Bedingungen angepasst. Eine grundlegende Änderung wurde in der Abstimmung vom 12. Januar 1980 beschlossen, welche die Aufnahme von Frauen im Verein zulässt.
Wesentliche im Statut festgehaltene Grundsätze sind:die Förderung der religösen, insbesondere der eucharistischen Lebensbetätigung, die Vertiefung des Bruderschaftsgedanken, Betätigung in Nächstenliebe, Pflege des
althergebrachten Brauchtums, Erhaltung des Schießspiels, Schießsports und Fändelschwenkens, sowie die Pflege des Schützenbrauchtums und Feier der Kirmes des Schutz- und Pfarrpatrons am 3.
Sonntag im August.
Als Vorläufer der heutigen Kirmes gilt das seit dem 16. August 1934 vom Pfarrverein organisierte Rochusfest, das seit der Gründung der Schützengesellschaft im Jahre 1842 mit der
Kirmes gefeiert wird. Die dazugehörigen Festumzüge wurden scheinbar mit eigenen Musikanten begleitet. So findet sich in einer Inventarliste von 1882 ein Tambourmajorstock und auf dem Bild von 1892, erkennt man Trommeln.
Da sich erst 1911 in Oberforstbach ein Trommler- und Pfeiferkorps bildete, wurde z.B. in 1903 der Musikverein Harmonie Vaals für 37 Mark engagiert.
In den Weltkriegsjahren fielen die
Kirmesfeierlichkeiten aus; im Jahre 1934 wurden sie sogar vom NSDAP-Ortsgruppenleiter aus Verärgerung über eine zu geringe Wahlbeteiligung abgebrochen. Der Umfang und die Gestaltung der Kirmesfeierlichkeiten änderten
sich im Laufe der Jahre. So wurde lange Jahre die Kirmes im Saal des Oberforstbacher Hofs gefeiert; ab 1976 im Festzelt an wechselnden Plätzen. Nun feiern wir die Kirmes wieder im Saal bzw. im Pfarrheim. Entsprechend
unterschiedlich war die Gestaltung. Hauptbestandteile der Kirmes sind zum gemeinschaftlichen Gottesdienst der Zapfenstreich, das Wecken, Frühschoppen, Tanzveranstaltungen, Diskos, Festzug sowie Kinderbelustigung. Als
eine besondere Eigenart hat sich die Verbrennung des Kirmesmannes nach einem Rundzug durch den Ort, durch „trauernde“ Frauen am letzten Kirmestag, seit 1975 erhalten.
In der heutigen Zeit hat die
Kirmes in der Bevölkerung nicht mehr den gemeinschaftlichen Stellenwert wie früher, wo man sich eigens zur Kirmes zeitlich entsprechend einrichtete. Es wird eine besondere Herausforderung für die
Schützenbruderschaft sein, dieses sehr an die kirchliche Tradition Gebundene, im Bewusstsein der Oberforstbacher zu erhalten.
Bei öffentlichen Anlässen und bei der Beisetzung verstorbener Mitglieder,
führt die Bruderschaft die Fahne als individuelles Identifikationsmerkmal mit. Die violette Fahne aus der Gründerzeit ging verloren. Die auf dem Bild von 1892 erkennbare Fahne mit Preußenadler, ging im 2. Weltkrieg
verloren und tauchte vor ca. 20 Jahren wieder auf. Zwischenzeitlich wurde 1948 eine neue Fahne geweiht, die bis heute die Bruderschaft begleitet. Der auf dieser Fahne dargestellte Rochus lehnt sich stark an die
Darstellung auf der 1991 wiederentdeckten Pfarrfahne an. Auf der Rückseite zeigt die Fahne zwei sich kreuzende Gewehre mit Zielscheibe im Hintergrund. Eine, der am Fahnenstock angenagelten Plättchen, erinnert an den
ehemaligen Männergesangverein Oberforstbach.
Wie jede traditionelle Schützenbruderschaft, freut sich auch die St. Rochus Schützenbruderschaft über den König, Schüler- und Jungprinzen, als Repräsentanten
und Träger des Königssilbers. Gemäß der Satzung gehört der König in seiner Amtszeit dem Vorstand an und verpflichtet sich, seinen Lebenswandel so einzurichten, dass es seiner Königswürde entspricht. Einzige materielle
Verpflichtung ist die Stiftung einer silbernen Medaille für die Königskette. Bislang ermittelte man in allen Jahren, außer den Kriegsjahren 1915 bis 1918, 1940-1946 und 1999 einen Schützenkönig, meist im
Schießwettstreit an der Vogelstange. Dabei kamen neben Büchsen, Kleinkaliber und Luftgewehren, auch einmal Pfeil und Bogen, Armbrust und eine Schrotflinte vor. Wegen des damals noch geltenden Waffenverbots, wurde der
König im Jahr 1947 ausgelost. Als im Jahre 1949 der damalige Präses Pfarrer Schwinning mit der Armbrust den Vogel von der Stange holte, konnte er sich durch Zahlung einer Geldbuße bei der Bruderschaft von
der Königswürde befreien.
Der Schießstand wechselte im Laufe der Jahre seinen Standort und befindet sich derzeit als Luftgewehrstand am Pfarrheim in der Schwinningstraße. Seit 1973 ermittelt die
Bruderschaft beim Vogelschuss zu Christi Himmelfahrt den Jungprinzen und ab 1977 auch den Schülerprinzen. Das schon erwähnte Königssilber besteht als zentraler Baustein aus einem Silbervogel aus dem Jahre
1842. Leider wurden im Jahre 1921, 51 Königsschilder veruntreut, sodass heute eine emeinsame Platte an die Namen der betroffenen Könige erinnert. Die älteste erhaltene Plakette erinnert an den Schützenkönig Peter Meuter
von 1852.
Insgesamt fünfmal errangen Oberforstbacher Schützenkönige die Würde des Bezirkskönigs und konnten somit am Bundeskönigsschießen teilnehmen. Für jeden Schützenkönig ist die Teilnahme an
Festzügen eine besondere Ehre. Diese finden aus unterschiedlichsten Anlässen statt; so z.B. Kirmes, Bezirksschützenfeste, Feste befreundeter Bruderschaften, Feste des Bundes der Historischen Deutschen
Schützenbruderschaften oder aber Jubelfeste. Vom Jubelfest zum 50jährigen Bestehen im Jahre 1892 ist noch der Reinertrag von 325,27 Mark überliefert, sowie ein Bild. Aus der Teilnahme an Schützenfesten und den zumeist
damit verbundenen Schießwettbewerben, stammt auch der älteste Pokal der Bruderschaft von 1897. Wegen der Kriegswirren wurde das Jubelfest zum 100jährigen Bestehen erst im Jahre 1952 mit reger Anteilnahme aus der
Bevölkerung gefeiert und eine umfangreiche Chronik der Bruderschaft von Heinrich Haupts erstellt. Anlässlich des erfolgreichen Jubelfestes von 1967, veranstaltete die Bruderschaft zu Karneval 1968 erstmalig
einen „Bunten Abend“ mit überwiegend ortsansässigen Kräften, die unentgeltlich auftraten. Dieser Abend wurde jeweils eine Woche später, sonntags für Senioren wiederholt.
Im Jahre 2002, übergab die
Bruderschaft die Gestaltung des „Bunten Abends“ an den Karnevalsverein Oberforstbacher Jonge, die ihn erfolgreich mit jungen Leuten weiterführt.
Im Jahre 1992, feierte die Bruderschaft im Rahmen
eines Bezirksschützenfestes ihr 150jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wurde eine vielbeachtete Festschrift als Chronik ohne Werbung herausgegeben. Die Bruderschaft gab eine Bronzeplakette mit der Kontur des hl. Rochus
für Mitglieder und teilnehmende Vereine heraus und ehrte damit auch später Personen zu besonderen Anlässen. Lange Jahre organisierte und unterstützte die Bruderschaft mit einer Seniorenfahrt die ortsansässigen Rentner.
Mit der Einrichtung einer ständigen Altenstube verflachte das Interesse an dieser Fahrt, sodass sich die Bruderschaft auf andere Hilfestellungen konzentriert. So stellt sie beim St. Martinszug eine Begleitung bereit,
das Pfarrfest unterstützt sie in unterschiedlichen Aktivitäten. Vereinsinterne Feiern, wie z.B. Weihnachtsfeier oder auch Freundschaftsschießen mit Lichtenbusch/Eynatten oder Schleckheim/Brand, ergänzen das jährliche
Geschehen.
In den letzten 25-30 Jahren, nahm der Schießsport durch die Teilnahme an den Bruderschaftsvergleichskämpfen, immer mehr an Bedeutung zu. Die Sankt Rochus Schützenbruderschaft stellte bis zu 5
Mannschaften in unterschiedlichen Klassen und konnte auch Siegermannschaften stellen. Derzeit stellt sie eine Mannschaft in der Seniorenklasse auf Bezirksebene und eine Mannschaft in der Bereichsklasse 2, die Dank der
Unterstützung von zwei Schleckheimer Schützen gut platziert ist. Alle Schießveranstaltungen finden im Pfarrheim auf 4 Luftgewehr-Schießständen statt, so auch jeden Donnerstag das Trainingsschießen. Seit 1986 steht
der Bruderschaft im Keller des Pfarrheims an der Schwinningstraße ein Schießstand mit Einzelständen für Luftgewehr- und Luftpistolenschießen, sowohl mit Vereins- als auch mit eigenen Luftgewehren zur Verfügung. Neben
den Luftgewehren/-Pistolen, verfügt der Verein noch über 2 Kleinkalibergewehre, die bis 1995 noch für den Königsvogelschuss verwendet wurden.
Die Bruderschaft besteht nunmehr aus insgesamt ca. 60
aktiven und inaktiven Mitgliedern und derzeit 8 Jungschützen. In früheren Jahren, hat sie immer einen Beitrag zu heute noch wichtigen kulturellen Einrichtungen wie Kirche, Kindergarten oder Pfarrheim leisten können. In
der heutigen Zeit wird sie wohl mehr einen Beitrag zum Erhalt dieser Einrichtungen und damit verbundenen Wertvorstellungen in einer zunehmend von Globalisierung und Vereinheitlichung geprägten Gesellschaft leisten
müssen.