Aktualisiert:
26.02.2008

Heimat
Dreifaltigkeits Schützenbruderschaft Nütheim-Schleckheim 1840 e.V.

Im Jahre 1840 gründeten Josef Stärk aus Nütheim und Johann Hanbüschel aus Schleckheim die Dreifaltigkeits-Schützenbruderschaft Nütheim-Schleckheim. Josef Stärk wurde der erste Brudermeister. Die Pflege einer echten Kameradschaft und das alljährliche Abhalten einer Kirmes und eines Königsvogelschusses wurden bereits bei der Gründung zu den Hauptaufgaben gemacht.

In den letzten Jahren wurden verschiedentlich Stimmen laut, die Bruderschaft sei wesentlich älter, als bisher angenommen. Es existiert die Zeichnung eines Königsschildes aus dem Pastoralbuch von Hahn, die im Jahre 1822 angefertigt wurde. Darin werden zwischen 1669 und 1784 fünf Könige aus Nütheim und Schleckheim namentlich erwähnt. Wir glauben jedoch, dass dieser Schild zu der ehemaligen Hunschaftsbruderschaft Walheim gehörte, da aus diesem Orte die meisten Könige verzeichnet sind, und auch die anderen erwähnten Ortschaften wie Friesenrath und Hahn zum alten Gebiet der Hunschaft Walheim gehörten.

Einer der Gründe, warum sich in Nütheim und Schleckheim eine eigenständige Bruderschaft formierte, könnte das neu entstandene Selbstbewusstsein der Nütheimer und Schleckheimer Bürger gewesen sein, das durch den Bau einer neuen Schule in Schleckheim zur Geltung kam. Ein weiterer Grund war sicherlich die Erinnerung an die alten Bruderschaften der fünf Hunschaften, die durch ihr Wirken nicht aus dem Gedächtnis der Menschen verschwunden waren.

Im Laufe der Jahre wuchs aus bescheidenen Anfängen ein stolzer Verein, der sich im Jahre 1900 dem neu gegründeten Münsterländischen Schützenbund anschloss. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges ruhte das gesamte Schützenwesen, und erst ab 1928 wurden wahrscheinlich wieder regelmäßig Könige ermittelt. Mit dem Jahr 1933 brach eine neue Bewährungsprobe für die Schützenbruderschaft an. Viele Mitglieder verließen die Bruderschaft, als das Handlungsvermögen des Vorstandes durch die Zwangseinsetzung eines Vertrauensmannes der NSDAP stark eingeschränkt wurde. So hatte die Bruderschaft 1937 nur noch 31 aktive Mitglieder. Während des Zweiten Weltkrieges ruhte die Vereinsarbeit erneut auf fast allen Gebieten. Als im Jahre 1944 die meisten Einwohner von Schleckheim und Nütheim evakuiert wurden, brachte der damalige Vorsitzende Peter Barth die Fahne in die Kapelle und vergrub das Königssilber, das so die Wirren der letzten Kriegstage unversehrt überstand.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Wiederaufnahme des Schießsports wurde der Münsterländische Schützenbund neu gegründet. Auch die Dreifaltigkeits-Schützenbruderschaft gehörte diesem Bund an, der jedoch nach dem vorübergehenden Austritt der Bürgerschützen-Gesellschaft Kornelimünster in Grenzlandschützenbund Aachen-Land-Süd umbenannt wurde.

In den 60er Jahren erhielt die Bruderschaft starken Zulauf durch die stetig wachsende Bevölkerungszahl. Die immer größer werdende Bruderschaft verlangte nun nach einer einheitlichen Uniformierung, die bis dahin ein Privileg der Offiziere war. Im Jahre 1965 wurde die Uniformierung festgelegt und in der Vereinssatzung verankert.

Die Bruderschaft findet ihre Aufgaben nicht nur in der Pflege der Tradition oder im sportlichen Schießen, sondern engagiert sich auch bei den örtlichen Festlichkeiten und Umzügen, wie Pfarrfest, Fronleichnamsfeier und Martinszug. Gleichzeitig pflegt sie freundschaftliche Verbindungen mit verschiedenen benachbarten Bruderschaften und beteiligt sich an den Veranstaltungen des Grenzland-Schützenbundes.

Eine starke Stütze der Bruderschaft sind die Jungschützen. Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg nahm sich der damalige Ortslehrer Josef Erbel der Jugend an und förderte ihren späteren Eintritt in die Bruderschaft. Für unsere heutigen Verhältnisse völlig unorthodox übte er mit der Schuljugend das Sportschießen auf dem Schulhof. Bis 1962 gab es keine offizielle Jungschützengruppe, obwohl in alten Kassenbüchern bereits Jungschützen wegen des geringeren Beitrages gesondert ausgewiesen wurden. Erst 1962 wurde eine neue Jungschützengruppe ins Leben gerufen, die auch einen eigenen Vogel schießt. Auch unser heutiger Brudermeister Reinhold Lücking gehörte zu dieser Jungschützengruppe und ist seit dieser Zeit Mitglied der Bruderschaft. Es dauerte lange, ehe die Jungschützen einen eigenen Jungschützenmeister erhielten. Der erste in diesem Amt war Matthias Bougé. Durch das Wachsen der Jungschützengruppe, vor allem bei den jüngeren Jahrgängen, wurde die Bildung einer Schülerschützengruppe notwendig. Seit Beginn des sportlichen Schießens in der Bruderschaft errangen die Schüler- und Jungschützen beachtliche Erfolge sowohl als Einzelschützen als auch in den Mannschaften. Dies reicht über Bezirks- und Diözesanmeisterschaften bis hin zur Teilnahme an der Bundesmeisterschaft, bei der mehrmals gute Platzierungen erreicht wurden.

Seit Gründung der Bruderschaft werden in Schleckheim und Nütheim jährlich zwei Feste ausgerichtet. Das wichtigste ist das Patronatsfest im Zusammenhang mit der Kirmes am Sonntag der Allerheiligsten Dreifaltigkeit und den darauf folgenden Tagen. Seit 1840 wird dieses Fest gefeiert. Im Laufe der Jahrzehnte wurde der Ablauf der Kirmes mehrmals geändert. So war bis zum Zweiten Weltkrieg dem Montag Abend der Schlussball vorbehalten. Dieser Montag hatte jedoch noch eine weitere Bedeutung. Am Nachmittag herrschte zwischen den Bruderschaften aus Nütheim-Schleckheim und Oberforstbach „Kriegszustand“. Beide Vereine fochten um den „Boeschbores“, einem alten Brunnen im Niemandsland zwischen Schleckheim und Oberforstbach. Mit der Gefangennahme eines Königs war der Kampf beendet, und es wurde mit Bier und Branntwein der Friedensschluss gefeiert. Der Brunnen war für das folgende Jahr im Besitz des siegreichen Ortes.

In den Kriegsjahren und den ersten Jahren danach konnte keine Kirmes abgehalten werden. Mit der ersten Kirmes nach dem Krieg ergab sich ein weiteres Problem. Die Saalgaststätte Sauer-Stickelmann in Schleckheim schloss, und die Bruderschaft musste nach Nütheim in die Gaststätte Pitz ausweichen, die jedoch schon bald für die wachsende Besucherzahl zu klein wurde. Man löste das Problem durch ein Festzelt, das auf der Wiese neben der Gaststätte Siemons aufgestellt wurde. Nach vorübergehendem Ausweichen auf den Sportplatz, hatten Kirmes und Vogelschuss hier über viele Jahre hinweg ihren traditionellen Standort. Erst als Anfang der neunziger Jahre der Dorfplatz neben unserer Kapelle fertig gestellt wurde, zogen die Kirmesfeierlichkeiten nach dort um.

Das zweite große Fest der Bruderschaft ist der Königsvogelschuss, der zur Ermittlung des Schützenkönigs sowie der Schüler- und Jungprinzen dient. Der König und die Prinzen sind die Repräsentanten der Bruderschaft. Die ersten Schießen wurden auf der Kuhheide, dem heutigen Gelände der Firma Schumag, durchgeführt. Damals wurde aufgelegt mit Feuerwaffen geschossen. 1840 wurde Peter Mirbach auf diese Weise erster König der Bruderschaft. Seit dieser Zeit heftet jeder König seine Plakette an das große Königssilber. Um der Bevölkerung Gelegenheit zum Tanz zu geben, wurde auf dem Gelände des Vogelschusses ein Tanzboden ausgelegt. Als nach dem Zweiten Weltkrieg der Vogelschuss am Lokal Siemons durchgeführt wurde, gab es nur auf einer kleinen Betonfläche Tanzgelegenheit. Heute wird der Vogelschuss, wie auch die Kirmes, im Zelt gefeiert. 1948 wurde mangels eigener Schießmöglichkeiten so wie dem Verbot von Feuerwaffen der Vogelschuss mit Pfeil und Bogen auf dem Schießstand in Hitfeld durchgeführt. Erster Nachkriegs-König wurde Hermann Velten aus Nütheim.

1965 wurde aus den Reihen der Jungschützen der erste Jungprinz ermittelt. Als erster errang diese Würde Bruno Mizgaiski. Seit 1983 gibt es auch Schülerprinzen, und hierbei war Achim Koch der erste Würdenträger der Bruderschaft. Zu Vogelschuss wird ebenfalls der „Hubert-Rüttgers-Gedächtnispokal“ ausgeschossen, zur Erinnerung an diesen langjährigen Brudermeister und Ehrenbrudermeister.

Die Pflege des Schießsports, das traditionelle wie auch das sportliche Schießen, gehört zu den Hauptaufgaben der Bruderschaft. Anfangs bestand die schießsportliche Betätigung vorwiegend aus den sogenannten Winterschießen, die im Vereinslokal Siemons stattfanden. Nach Einführung des sportlichen Schießens musste sich die Bruderschaft zunächst mit einem Übungsschießstand im Kellerraum der ehemaligen Schleckheimer Schule begnügen. Durch den Ausbau des Dachgeschosses des Schleckheimer Pfarrheims wurde in Eigenarbeit ein Schützenheim mit einer 4-Bahnen-Schießanlage erstellt, wo bis zum heutigen Tag Übungs- und Wettkampf-Schießen durchgeführt werden. Hierzu gehören die Vereinsmeisterschaft, Jahreswertungen, Leistungsabzeichen, sowie die traditionellen Vereinsschießen während der Wintermonate.

In den vergangenen 165 Jahren entwickelte sich die Dreifaltigkeits-Schützenbruderschaft Nütheim-Schleckheim aus kleinen Anfängen zu einem großen Verein, der die Wahrung der Tradition gleichstellt mit der Pflege des Schießsport, immer im Sinne des Wahlspruchs „Für Glaube, Sitte, Heimat“. Die Bruderschaft vereinigt Jung und Alt, Neubürger und solche, die schon seit Generationen hier wohnen. Der Erfolg unserer Bruderschaft ist begründet auf eine gute Zusammenarbeit mit allen anderen Ortsvereinen und Gruppen unserer Ortsgemeinschaft.

[Heimat] [Vereine] [Allgemeines] [Veranstaltungen] [Schießsport] [Jungschützen]