Nikolaus Mennicken, gelegen an der Kesselstraße, die St. Hubertus Schützengesellschaft gegründet wurde. In den Unterlagen der Gesellschaft (heute Bruderschaft) findet man
bereits 1893 eine Mitgliederzahl von 63 Schützen und das bei der damaligen Gesamteinwohnerzahl von 300 Bürgern.Das sich die Schützen den heiligen Hubertus als Schutzpatron auserkoren hatten, führt darauf
zurück, dass derselbe bereits schon im 17. Jahrhundert in Lichtenbusch verehrt wurde.
Der Verein konnte den größten Teil des Vereinsbesitzes durch die Wirren der Zeit retten. So existieren noch
Statutenbücher ab dem Jahre 1890, die erste Fahne von 1887 und Silbervogel und -plakette von 1890/99, die heute noch vom Schützenkönig/gin getragen werden. Während die Wiesenfeste (Königsvogelschuss und die damals schon
3tägige Kirmes) von 1886 bis 1897 auf dem „Hägelchen“ an der Kesselstraße abgehalten wurden, fanden Saalveranstaltungen von 1886 bis 1914 im Saal Campo (heute Hotel zur Heide) statt.
Ab 1919 wurden neben
den Saalveranstaltungen des öfteren Festzelte angemietet. 1897, wechselt man das Vereinslokal zur Gaststätte Schumacher, heute Marianne Schumacher. Ab diesem Datum bis 1939, wurden die Wiesenfeste auf dem
gegenüberliegenden Grundstück gefeiert.
Lichtenbusch gehörte zur Pfarre Eynatten (bis 1918 gehörte Eynatten zu Deutschland) und so war es selbstverständlich, dass alle Kirchgänge dahinführten. Diese
2 mal 5 km hin und zurück, wurden unter Anführung des hoch zu Ross sitzenden Hauptmann Simon Schumacher, in Begleitung einer Musikkapelle (meistens aus Walheim), mit Unterbrechungen an allen Heiligenhäuschen
und Stätten (früher so genannt, Kapellen, Wegekreuze und Wirtschaften), leicht gemeistert. Dieses hatte ein Ende als im Jahre 1924/25 in Lichtenbusch die Herz-Jesu Kapelle gebaut wurde. Grundstücksstifter war der
damalige Präsident der Sankt Hubertus Schützengesellschaft Lichtenbusch, Franz Ortmanns.
Die Kirche hat bereits in den ersten Jahren eine wichtige Bedeutung für den Verein. Mit zahlreichen Spenden wurden
diverse Anschaffungen für die Kirche möglich. Beispiele: 1914 Ciborium 400 Mark, Hubertus-Statue 300 Mark; 1925 ein Harmonium für die Kapelle 1780 Mark; 1932 Hubertusfenster mit Bleiverglasung 170 Mark (hängt heute in
unserer Schützenhalle), Messgewänder 200 Mark. Für die damalige Zeit stolze Summen. Zur Finanzierung feierte man 4 außerordentliche Feste. Haupteinnahmen waren damals Eintrittsgeld, Tanzgeld pro Tanz und Paar 10 Pfennig
und Losverkauf für den Preisvogel. Dieses alles wurde durchgeführt mit Kerzen und Petroleumlicht. Erst ab 1918 gab es Strom und das zuerst im Vereinslokal Schumacher.
An Schützenfesten und
Schießwettbewerben wurde rege teilgenommen. Diese gab es zur Genüge. Die Anreisen wurden zu Fuß und zu einigen Dörfern ab 1906 mit der Straßenbahn gemacht. Geschossen wurde von 1886 bis 1939 mit Kugelgewehr
(Großkaliber) und ab 1950 nur noch mit Kleinkaliber und Luftgewehr.
Nach dem 1. Weltkrieg 1921, wurden neue Staatsgrenzen gezogen. Die Raerener Straße bildet seither die Grenze zwischen Deutschland und
Belgien. Dadurch geriet die St. Hubertus Schützengesellschaft in 2 Staatshoheiten, einerseits die Deutsche und andererseits die Belgische. Die Schützen trotzten den Problemen, die sich durch die staatliche Teilung
ergaben und erfüllten das Vermächtnis ihrer Väter, Einigkeit zu bewahren.
Hier einige der neuen Gesetzgebungen: Es mussten fortwährend Anträge bei den Behörden diesseits und jenseits der Lichtenbuscher
Grenze, für jegliche Grenzüberschreitung gestellt werden. Zum Beispiel: Das Einreisen von benachbarten Musikkapellen, für Festzüge und die nach Eynatten führenden Kirchgänge usw. Schießwettbewerbe wurden nur unter
schwierigsten Bedingungen genehmigt, wenn überhaupt. Die Schlagbäume an der Raerener Straße sollten noch bis viele Jahre nach dem 2. Weltkrieg, nicht nur für den florierenden Schmuggel, sondern auch im Vereinswesen fast
nur für negative Schlagzeilen sorgen. So fand die, nach dem 2. Weltkrieg äußerst schwierige Situation, auch ihren Niederschlag in den Statuten. Bei Festen waren diejenigen Schützen entschuldigt, die krank waren
oder „saßen“ (saß oder sitzt hieß im damaligen Sprachgebrauch „Gefängnis wegen Schmuggel“).
Neben den vielen Nachteilen, gibt es aber auch Positives zu berichten. In der Zeit zwischen den beiden
Weltkriegen 1921 bis 1939, gab es auch Einnahmen in belgischen Franken, die im Gegensatz zu der schwachen Mark, sehr stabil war und die Kasse stark aufbesserte. 1921 musste man für einen belgischen Franken 5,90 Mark
bezahlen. In den Inflationsjahren 1922-23, kam das natürlich noch mehr zum Tragen. Hier einige Zahlen: Königsgeld im Jahre 1920, 300 Mark; 1923, 120.000 Mark. 1923 wurden 5 Gulden für 88.000 Mark gekauft.
Die Zeit des Nationalsozialismus war eine neue Zerreißprobe für den Verein. Der Verein sollte in den NS-Organisationen untergehen und das Vermögen übertragen werden. Aber schon da, erwies sich der Lichtenbuscher Schütze
als sehr mutig. Die gut gefüllte Kasse wurde geplündert. Es wurde eine neue Fahne angeschafft (wird heute noch getragen) und der Rest wurde bei 4 „Bierfesten“ verbraucht. Auch der Forderung der
Nationalsozialisten, den damaligen belgischen Schützenpräsidenten durch ein neues Mitglied zu ersetzen, widersetzten sich die Schützen, laut Versammlungsbeschluss. So wurde trotz der gefährlichen Zeit, eine große
Portion Mut bewiesen und Zivilcourage gezeigt.
Von 1940 bis 1950 ruhte das Vereinswesen. Der Weltkrieg hatte 41 Lichtenbuschern das Leben gekostet, darunter 6 Schützen. Mit viel Werbung, begann man 1950
von neuem. Alte und neue Mitglieder besannen sich wieder auf das Schützenwesen.
Man trat auch dem noch jungen Schützenbund, dem heutigen Grenzlandschützenbund Aachen-Land-Süd bei und 1977 zusätzlich, der
Schützenvereinigung Gross Raeren, Sportrat Raeren und dann 1980 dem Ostbelgischen Stangenverband (belg. Seite).
Nach den Kriegsjahren wurde auch die St.Hubertus Schützengesellschaft in eine Bruderschaft
umgewandelt. Laut Gesetz musste auch über viele Jahre der geschäftsführende Vorstand aus 2 Nationen besetzt werden. War der Präsident ein Deutscher, dann musste der Vizepräsident ein Belgier sein, oder umgekehrt.
Im Jahre 1969, wurde mit „Hubert Jünger“ der erste und bis jetzt einzige Kaiser der Vereinsgeschichte ermittelt.
Der 1. Mai 1970 sollte einer der denkwürdigsten Tage in der sehr
wechselhaften Geschichte werden. An diesem Tag, wurde der St. Hubertus Schützenbruderschaft Lichtenbusch durch die Huld des Königs der Belgier, Baudouin I., der königliche Titel verliehen. Überbracht vom damaligen
Bezirkskommissar Herrn Henai Hdem aus Malmedy, im Beisein des Oberbürgermeister der Stadt Aachen, Herrn Hermann Heusch und vielen prominenten Gästen. Dies alles in Verbindung mit dem Bezirksschützenfest des
Grenzlandschützenbundes Aachen-Land-Süd.
Dass die Schützen auch Hand anlegen können, beweist die in Eigenregie erbaute schöne und großräumige Schützenhalle, die 1982 ihrer Bestimmung übergeben wurde.
Seitdem hat der Flachbahn-Schießsport zugenommen (die Halle kann aber auch für Festlichkeiten jeglicher Art gemietet werden).
Das 25 und 50jährige Bestehen wurde nicht gefeiert, dafür aber nach dem Kriege
das 70 und 75jährige umso größer.
Ein weiterer Höhepunkt war das 100jährige Jubelfest im Jahre 1986. Viele Schützenvereine aus Deutschland und Belgien verschönerten das Fest mit ihrem Besuch. Seitens des
Königreichs Belgien, der Regierung der deutschsprachigen Gemeinschaft, wurden wir von der Regierung mit der Wandplakette Grenzüberschreitende Kameradschaft geehrt.
1986 war auch das Jahr, wo genau nach
100 Jahren, mit Wehmut eine alte Tradition gebrochen wurde, nämlich die Zylinderzeit gehörte der Vergangenheit an. Die Hutzeit hatte begonnen. 1992, kam eine schmucke Uniform in bordeauxrot hinzu.
Im
Jahre 1990, bekam Lichtenbusch den Zuschlag zur Durchführung eines Dreiländerschützenfestes (Holland, Belgien, Deutschland). Genau 100 Vereine marschierten am 9. September 1990 durch Lichtenbuschs Straßen. Diese
Rekordteilnahme wurde bis heute nicht mehr gebrochen.
Das Aushängeschild des Schießsports heißt in Lichtenbusch Sepp Kraft. Dieser Ausnahmeschütze hat es in seiner 20jährigen Vereinszugehörigkeit zu
unzähligen Siegen gebracht. Die Wichtigsten erwähnt von 1983 bis 2003: Bruderschaftsvergleichskämpfe, 20 mal 1. Platz LG angestrichen; Bruderschaftsvergleichskämpfe, 2 mal 1. Platz LG aufgelegt (Beginn 2002);
Bezirksmeisterschaften, 52 mal 1. Platz LG und KK; Diözesanmeisterschaft 49 mal 1. Platz LG und KK; Bundesmeisterschaft, 43 mal 1. Platz LG und KK. Eine für die Zukunft wohl nicht mehr zu überbietender Rekord. Diese
Siege waren Anlass genug, für den höchsten Repräsentanten des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, Hochmeister Hubertus Prinz zu Sain-Wittgenstein-Berleburg, der Königlichen St. Hubertus
Schützenbruderschaft Lichtenbusch im Jahr 2000 einen Besuch abzustatten. Unter festlichen Bedingungen und im Beisein vieler Persönlichkeiten von belg. und deutscher Seite, wurde Sepp Kraft höchstpersönlich vom
Hochmeister das Sankt Sebastianus Ehrenkreuz (SEK) überreicht. Ein Ereignis, das in die Annalen der Vereinschronik eingegangen ist.
Zu den Aktivitäten Schießsport, Kameradschaftstreffen, gehört unter
anderem im Frühjahr die Schützenwanderung, Pfingsten Schützenfest mit Königsvogelschuss an und in der Schützenhalle, Kirmes mit Königsball im Saal Kessel, Nikolausfeier und das beliebte Patronatsfest im Schützenheim.
Das Schützenfest mit Königsvogelschuss wird seit 1924 immer Pfingsten und seit 1934 der Königsball nach dem Bau des Saales Kessel, immer dort abgehalten.
Die Lichtenbuscher Schützen
beteiligen sich seit 1996 am Capitelfest in Montebourg Frankreich, zur Vertiefung der deutsch-französischen Freundschaft.Sieben Lichtenbuscher Schützen wurden bisher zumChevalier de Saint Jacques des Montebourg (Ritter
vom hl. Jakob) geschlagen.
Seit 1966, nach Gründung des Karnevalsvereins KG Grün Weiß Lichtenbusch, bauen die Schützen jedes Jahr einen Karnevalswagen und ziehen mit viel Freude beim Karnevalszug damit
durch das Dorf.
1992 wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Mit neuen Statuten, wurde es auch den Frauen ermöglicht, dem Verein als aktive Schützen beizutreten. Ein Beschluss, der sich bis heute bestens
bewährt hat. Seit dieser Zeit gab es 4 mal eine Königin als höchste Repräsentantin.
Ein Besuch der Kgl. Sankt Hubertus Schützenbruderschaft lohnt sich immer. Neben vielen Pokalen, Fotos und
Scheibenbildern in der Schützenhalle, können im Vereinslokal Marianne Schumacher, in einem Vitrinenschrank, fast noch alle Königsplaketten seit der Gründung des Vereins, sowie 2 alte Kugelgewehre aus der Zeit zwischen
den beiden Weltkriegen, besichtigt werden.
Es gäbe noch viel zu berichten, doch der Chronist schließt mit den Worten: Die Kgl. Sankt Hubertus Schützenbruderschaft ist eine Bruderschaft, in der
tiefverwurzelter bürgerlicher Gemeinsinn gepflegt wird. Doch sie ist mehr als das. Sie ist eine Bruderschaft in der sich Mitglieder aus den beiden Teilen Belgisch- und Deutsch-Lichtenbusch zusammengefunden haben. Ein
sprechendes Beispiel dafür, wie ein Dorf ohne Grenzen, 2 Nationen in gut nachbarlicher und freundschaftlicher Verbundenheit in der Bruderschaft miteinander leben und feiern. Möge Glaube - Sitte - Heimat, noch lange der
Wahlspruch aller Schützenbruderschaften bleiben.