Aktualisiert:
07.03.2011

Heimat
Bürgerschützengesellschaft Kornelimünster 1412 e.V.

Als die älteste Schützengesellschaft im Grenzlandschützenbund Aachen-Land-Süd, können sich stolz die Bürgerschützen Kornelimünster sehen, sie blicken auf eine bald 600jährige Vereinsgeschichte zurück.

Sie traten erstmals in ihrer Jahrhunderte alten Tradition als „St.-Dreifaltigkeits-Bruderschaft“ auf. Der Name wechselte freilich wiederholt: Von 1816 bis 1891 nannte sie sich „St. Sebastianus-Schützenbruderschaft“. In der Zeit zwischen 1891 bis 1912 „Schützengesellschaft“ und ab 1912 bis heute „Bürgerschützen-Gesellschaft Kornelimünster“. In den Urkunden der „Raerener Schützenbruderschaft“ 1412 tauchten sie erstmals in das Licht der Geschichte ein. Ihr wirkliches Alter ist wahrscheinlich noch früher anzusetzen.

Wie die meisten Schützengesellschaften bzw. Schützengilden haben sie ihren Ursprung in den Schutztruppen der jeweiligen Landesherren des Münsterländchens, sowie des Abtes der ehemaligen freien Reichsabtei Kornelimünster, an der Inde zu suchen. Zur damaligen Zeit war es eine kirchlich gebundene und religiös ausgerichtete Interessengemeinschaft, die ihre Betätigung später auf den Wehrdienst ausdehnte und schon seit des Frühmittelalters im Dienst und Sold der Äbte der freien Reichsabtei stand. Die Mitglieder dieser Bruderschaft werden gleichfalls die ersten Soldaten, die Stammtruppen-Macht der Äbte gewesen sein, die sich zur Verteidigung ihres Herrschaftsbereichs im Münsterland in Kriegszeiten und als Schutz und Ordnungstruppe im Frieden dienten. Im Bruderschaftsbuch von 1422 sind über 100 Personen aus den Ortschaften des Pfarrbezirkes zu Kornelimünster als Söldner der Abtei erwähnt.

Was allgemein für das Schützenwesen und seine Entstehungsgeschichte gilt, dürfte auch für die Schützenbruderschaft in Kornelimünster zutreffend sein. Die Bauernschaft der freien Reichsabtei veranstaltete, um wehrtüchtig und einsatzbereit zu bleiben, wiederholt gemeinsame Schießübungen mit den damals gebräuchlichsten Hauptwaffen: dem Pfeilbogen, der Armbrust und nach Erfindung des Pulvers auch der Muskete, aus der sich dann später als starke Feuerwaffe das Gewehr entwickelte. Für den Nahkampf Mann gegen Mann benutzte man den Spieß, die kurze Streitaxt und die wuchtige Schlagkeule, den „Morgenstern” mit vorstehenden Dornen.

Aus den Schützenbruderschaften entstanden nach und nach besondere Gilden, die sowohl auf dem flachen Lande wie in den Städten, neben den Zünften große Bedeutung erlangten und sich organisatorisch eng zusammenschlossen. Sie besaßen meist ihr eigenes Schützenhaus, Schießplätze auf dem Dorfanger, allerlei Waffen Handwerkszeug, einheitliche Brudertracht, Statuten, Mitgliederverzeichnisse u.a.m. Sie führten Bruderschaftsbücher und Chroniken, hielten Unterstützungskassen und zahlten Bruderschaftsrenten aus, an alte, kranke Leute und frühere Mitglieder, wenn sie unverschuldet in Not geraten waren. Sie leisteten Abgaben an die Kirche und an die Dorfgemeinde, hielten monatliche Versammlungen ab und betätigten sich an mancherlei Wohltätigkeiten sowie an kirchlichen Festen und religiösen Feierlichkeiten. Leider berichten uns keine Chronik und kein Bruderschaftsbuch etwas näheres über diese sozialkaritative Tätigkeit der Bruderschaft in Kornelimünster. Die uns erhaltenen wenigen Bruderschaftsbücher sind in der Regel fast nur alte Mitgliederlisten. Dagegen hören wir an Hand von altem, spärlich erhaltenem Schützensilber erstmalig genaueres über einen beim Vogelschuß auf der Schützenwiese erkorenen Schützenkönig, der im Jahre 1710 als ein gewisser Matthias Olberx den Meisterschuß auf den Stangenvogel tat und dem anschließend die bis auf unsere Tage erhalten gebliebene Königs Silberplakette umgehangen wurde.

Das sogenannte „Königssilber“ ist nur noch recht spärlich in Einzelstücken vorhanden, da im zweiten Weltkrieg zwei Kisten mit Schützensilber verloren gingen und bis heute nicht wieder aufgefunden wurden. Die älteste Plakette datiert wie bereits aufgeführt aus dem Jahre 1710. Mit Bestimmtheit darf aber angenommen werden, daß ältere Stücke vorhanden waren.

Mit der politischen Entmündigung der Reichsäbte, sowie der Säkularisierung aller geistlichen Territorien durch das Dekret Napoleons I. auf dem Reichstag zu Regensburg im Jahre 1803 war die Militärische Bedeutung der Schützenbruderschaften endgültig dahin. Es vollzog sich im stillen eine Umwandlung zu unseren heutigen Schützengesellschaften, deren neue Symbole für „Glaube Sitte und Heimat“ ihnen den neuen Weg aufzeigten.

Noch ein kurzer geschichtlicher Rückblick auf das Schützenwesen im gesamten Münsterland. Direkte und und genauere Nachrichten bzw. Berichte hierüber besitzen wir bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. Im Dezember 1593 fiel ein Oberst namens Konradin unter militärischem Beistand des Markgrafen von Baden mit 32 Fähnlein Reitern und 2 Regimentern Fußvolk in das Gebiet des Münsterlandes ein. Der damals residierende Abt, Johannes von Hammerstein (1582/1597), setzte sich mit seinen Untertanen und mit Hilfe des Herzogs von Jülich energisch zur Wehr und drängte die Angreifer zurück. Bei diesem Gefecht sollen „Schützen“ mitgewirkt haben. Kurz darauf wurden Schützen des Münsterlandes zum 1. September 1598 namentlich genannt, als diese nach der Vertreibung des protestantischen Stadtparlamentes und bei der Wiedereinsetzung des katholischen Rates in der freien Reichsstadt Aachen militärisch aktiv mitwirkten.

Ein schwerer Rückschlag für dieses alte Schützenbrauchtum kam nach vorübergehender besonderer staatlicher Förderung durch die nationalistische Staatsführung im Sinne ihrer propagierten „Wehrertüchtigung des ganzen deutschen Volkes“  nach dem Ausgang des zweiten Weltkrieges 1945. Die damaligen vier Siegermächte übten als Besatzungsmacht die gesamte vollziehende Gewalt in Deutschland aus. Neben der Beseitigung aller narzißtischen Einrichtungen erfolgte in gleichem Zuge das Verbot aller ihr angeschlossenen Verbände und Organisationen einschließlich der Schützenvereine. Als Begründung für dieses Verbot wurde angegeben, die Schützenverbände seien halbmilitärische Vereinigungen zur Wehrertüchtigung und schließlich Wiederbewaffnung der deutschen Jugend.

Bis zum Jahre 1968 unterhielt die Bruderschaft im Tale des Klauserwäldchens einen KK-Schießstand mit einer von Hand betätigten Scheibenzuganlage. Sie wurde von einer kleinen Gruppe von Schützen öchentlich einmal genutzt. Im Jahre 1970 wurde die auf dem Gelände Schlausermühle neu erbaute Kleinkaliber-Schießanlage in Betrieb genommen. Der Wunsch einiger Jugendlicher unter 16 Jahren mit dem Luftgewehr zu Schießen, konnte im Jahre 1974 durch die Initiative eines erfahrenen Sportschützen umgesetzt werden. Die Jugendlichen hatten die Möglichkeit auf 3 LG-Ständen ein regelmäßiges Training durchzuführen. Diese sehr aktive und gefestigte Gruppe wurde danach von den älteren Jugendlichen weiter entwickelt. Der Wunsch nach Vergleichsschießen bzw. Wettkampfschießen mit anderen Vereinen, wurde 1976 durch den Beitritt in den Grenzlandschützenbund, ermöglicht. Im Jahre 1980 trat dann die komplette Bürgerschützengesellschaft als fünfzehnter Verein dem Grenzlandschützenbund Aachen-Land-Süd bei.

Zum 575jährigen Jubiläumsjahr 1987, konnten wir eine 7-Bahnen-Schießanlage für Luftdruckwaffen erstmals in Betrieb nehmen. Ein Jahr später bezogen wir unser Vereinsheim an der Alfons-Gerson-Straße wo wir nach erfolgtem Umbau der Pausenhalle (ausgelagerte Grundschule) auch zum ersten mal in der Vereinsgeschichte, ein eigenes Vereinsheim beziehen konnten.

Unser Verein hat heute ca. 200 Mitglieder, die sich aus ca. 20 aktiven Schülern/Jugendlichen, 10 Schützenklasse-, 3 Altersklasse-, 4 Damenklasse- sowie  8 Seniorenschützen und 16 Offizieren, sowie den restlichen 140 inaktiven Mitgliedern zusammensetzt

Die aktiven Sportschützen nehmen an den angebotenen Meisterschaften teil. In diesem Jahr gelang es  uns auch mit einer Schülermannschaft bis in die Endkämpfe der Bundesmeisterschaften zu kommen. Bei den Senioren ist in den vergangenen Jahren, eine erfolgreiche Qualifikation zur Teilnahme bei den BM, erklärtes Ziel geworden. Für unsere KK-Schießanlage Schlausermühle fand sich in den vergangenen 10 Jahren leider keine Gruppe von aktiven mehr die gewillt waren, die Anlage zu betreiben. Im Spätsommer 2002 gelang es den Bürgerschützen gemeinsam mit den Vereinen St. Seb. Venwegen und St. Hub. Rott, durch die Gründung einer „IG-KK-Schlausermühle“, die Anlage zu modernisieren.

Im Frühjahr 2004 hoffen wir dann, nach erfolgter Abnahme, eine moderne 4-Bahnen-Schießanlage die den UIT Richtlinien entspricht, in Betrieb zu nehmen. Die Anlage ist für kleinkalibrige Geschosse, zum Sportschießen mit Pistole und Gewehr ausgelegt worden.

Leider hat der Zeitgeist auch unseren Verein nicht verschont. Die traditionellen Dinge, den jährlich zu ermittelnden Schützenkönig, sowie das Ausrichten der Frühkirmes mit Feiern im Festzelt, hat bei den Mitgliedern sowie auch bei der Bevölkerung, kaum noch Resonanz gefunden. Die vergangenen 3 Jahre war unsere Gesellschaft ohne Schützenkönig, wie es scheint, wird sich auch in nächster Zukunft, nichts ändern. Unsere Offiziere ein traditionelles Corps, bringt sich bei kirchlichen Anlässen, Fronleichnams-Prozession - Kirchendienste - Weihnachtsmarkt - Krippenbau in der Kirche, Beerdigungen usw. ein.

Den Weg aus dem 14 Jahrhundert, in dem mit Pfeilbogen, Armbrüsten und der Muskete; Mann gegen Mann gekämpft wurde, bei entsprechender Besoldung, ist längst vorbei.

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