Nicht unerwähnt darf eine Mitteilung des II.
Präsidenten J. H. Beißel bleiben, die es wert ist, nicht in Vergessenheit zu geraten. Unsere Vorfahren hatten vor dem Schützenwesen eine große Achtung, die u.a. folgendes beweist: Das Haus in Breinig,
Hauptstraße Nr. 20, hieß „bei Königs“, weil hier mehrere Male der König wohnte. Ferner wurde das Haus, Hauptstraße 25 „bei Fähnrichs“ genannt, weil hier die Fahnenträger wohnten. Der
Einmarsch der französischen Revolutionsheere im Jahre 1794 legte die Tätigkeit der rheinischen Schützenbruderschaften fürs Erste lahm. Jede Betätigung wurde ihnen verboten, ihre Güter zum Nationaleigentum erklärt.
Nach 1800 gaben die französischen Behörden jedoch dem Drängen der rheinischen Bevölkerung auf Wiederzulassung ihrer geliebten Schützenfeste nach.
1879 erfolgte dann von einigen beherzten Männern die
vollständige Neugründung mit neuen Statuten, genau wie bei anderen Schützenbruderschaften in der hiesigen Gegend.
Präsident: Tilmann Kaldenbach, Ortsvorsteher in Breinig
Rendant: Ludwig Winkler
Schriftführer: Peter Winkhold
stellv. Präsident: Peter Jac. Kaiser
stellv. Rendant: Peter Jac. Hennecken
stellv. Schriftführer: Joh. B. Hennecken
Die Bruderschaft zählte im Jahre 1888 insgesamt 96 Mitglieder. Im Jahre 2004 sind es 104 Mitglieder.
Es wäre noch nachzutragen, daß der
alljährliche Königsvogelschuß in der frühesten Zeit auf dem Wingertsberg, dann später - bis etwa 1926 - an der Hoheburg, Breinigerberg, und in den letzten Jahren vor dem 2. Weltkrieg auf dem Schießstand des
Breiniger Kriegervereins an der Stockemer Straße (Breiniger Heide) abgehalten wurde.
Am 8. und 9. Mai 1926 fand das 260jährige Stiftungsfest unter dem Protektorat des Landrats Pütz aus Aachen statt.
Ein solches Fest hatte Breinig bisher noch nicht gesehen. Am Samstag, den 8. Mai, war nach dem Zapfenstreich eine hochansehnliche Festversammlung. Bürgermeister Hansen sprach herzliche Worte zur Begrüßung. Die Breiniger
Musikvereinigung sorgte für Unterhaltung, ebenso der Breiniger Männergesangsverein. Studienrat Wilh. Röntgen, ein geborener Breiniger, hielt einen geschichtlichen Vortrag über Entstehung und Zweck des
Schützenwesen im Münsterländchen. Sonntagsfrüh, nach dem großen Wecken, war Antreten der Mitglieder und Ehrenmitglieder zum Abholen des Generals Heinrich Hoube und des Königs Jakob Pitz, sowie der Jubilare.
Nach dem Festhochamt zuerst das gewohnte Fahnenschwenken auf dem Platz neben der Kirche, durch den Fähnrich Johann Ganser. Alsdann eine Fotoaufnahme vor der Kirche, danach schloss sich der Frühschoppen an. Nachmittags
großer Trachtenfestzug, eine Sebastianusgruppe und eine Wilhelm-Tell-Gruppe. In der Festwiese hielt der Ehrenbeisitzer, Herr Kaplan Netten, die Festansprache. Nach einem Vortrag des Männergesangvereins Breinig
nahm das Fest seinen weiteren Verlauf.
Nach Beendigung des letzten Weltkrieges war das Schützenwesen vollständig vernichtet. In Breinig haben einige Beherzte, wie Schützengeneral Heinrich Hoube und die
Vorstandsmitglieder Hubert Odekerken und Arnold Schmitz unter besonderer Hilfe unseres damaligen Präses Pfarrer Franz Jansen, drei Fahnen, die Chronik, ein Protokollbuch und das wertvolle Königssilber gerettet. Alle
Schützenvereine waren von der Besatzung verboten.
Am 10. Februar 1946 fanden sich die nachfolgend genannten Mitglieder zur Wiederherstellung der Sebastianusbruderschaft zusammen:
1. Jansen
Franz, Dechant, Geistl. Präses; 2. Hoube Heinrich, Vorsitzender; 3. Braun Johann, Kassierer;4. Kremer Wilhelm, Schriftführer; 5. Odekerken Hubert; 6. Fratzel Wilhelm; 7. Frings Josef; 8. Winkhold Johann; 9. Emonts
Johann; 10. Emonts Lambert; 11. Schmitz Arnold; 12. Grendel Bernhard; 13. Mager Arnold; 14. Rombach August; 15. Wirtz Peter;16. Odekerken Paul.
Da die beiden Breiniger Säle von der Besatzungsbehörde
beschlagnahmt waren, stellte der Dechant für die Feste der Bruderschaft das kircheneigene Jugendheim zur Verfügung. Im übrigen Patronatsfeste und Kirmesfeierlichkeiten wie vor dem Kriege.
So bekamen wir schnell Zuwachs und sehr viele Jugendliche schlossen sich an.
Mit dem Königsvogelschuss ging es nicht so einfach. 1948 wurde der König bei den Armbrustschützen in Niederforstbach ermittelt.
Im Jahre 1949 wurde ein selbsthergestellter Lehmvogel mit Holzbällen heruntergeworfen (auf der Wiese Münch vor Stockem). Von einem zurückspringenden Ball wurde unser Präses, Dechant Franz Jansen, leicht verletzt. Im
Jahre 1949 hatte die Bruderschaft sich dem Unterbezirk Stolberg angeschlossen, weil der Münsterländische Bund noch nicht wieder erstanden war. 1954 trat der letzt genannte Bund wieder in Aktion, allerdings jetzt unter
dem Namen Grenzlandschützenbund Aachen-Land-Süd, dem Breinig seit 1955 angehört.
Am 10. und 11. Mai 1958, führte die Schützenbruderschaft Breinig das 1. Bundesfest (heute Bezirksfest) des
Grenzlandschützenbundes Aachen-Land-Süd durch, in Verbindung mit ihrem Stiftungsfest. Samstagabend Kranzniederlegung am Ehrenmal im Gedenken aller Gefallenen der beiden Weltkriege.
Bei der anschließenden
Festversammlung nahm der Präsident Heinrich Ganser die Ehrung von zwölf verdienten Mitgliedern vor. Herr Kaplan Sieberichs hielt die Festrede und nahm Bezug darauf, dass die Schützenbruderschaften auch heute noch
erforderlich sind. Männergesangverein mit Damenchor, sowie die Breiniger Musikvereinigung trugen wesentlich zur Verschönerung des Abends bei. Sonntagvormittags Festhochamt, nachmittags Festzug mit sechzehn auswärtigen
Schützenvereinen, dazu alle Ortsvereine.
Nachdem Bundesmeister Willi Scholl mit herzlichen Worten alle Anwesenden begrüßt hatte, überbrachte Generaladjutant Flatten von der Zentrale in Köln
herzliche Grüße und gute Wünsche. Schützenkönig war in diesem Jahr August Rombach.
Die St. Sebastianus Schützenbruderschaft feierte ihr 300 jähriges Jubelfest vom 18. bis 20. Juni 1966 im Festzelt hinter
dem heutigen Pfarrheim „Zum goldenen Stern“. Die Eröffnungsfeier am Samstagabend wurde durch den Ehrenpräsidenten Heinrich Ganser eingeleitet. Begrüßt wurden Abordnungen der Bruderschaften des Grenzlandschützenbundes,
Gäste und Ehrengäste, insbesondere der Schirmherr des Festes, Herr Bürgermeister Johann Meyer, vom Zentralverband Herr Hubert Erkens, Diözesanpräses Kaplan Birker und Prälat Mundt; Bundesmeister Willi Scholl,
Diözesanbundesmeister Mathias Pütz; weiter der stellv. Gemeindedirektor Hamacher, Präses Pastor Timberg, Kaplan Kals, sowie Rektor von Hoegen als Vorsitzender des Festausschusses.
Im Verlaufe des
Festabends, hielt der Schirmherr Bürgermeister Johann Meyer die Festansprache mit dem Thema „Tradition und Verpflichtung“.
Am 18. März 1978 bekamen die Breiniger Schützen einen fünfbahnigen
Luftgewehr-Schießstand, der im Jahre 2003 wegen hohen Zuspruchs auf sieben Bahnen erweitert werden konnte.
Ein besonderes Betätigungsfeld oblag den Schützen nach der Satzung ihrer
Bruderschaft im sozialen und karitativen Bereich. Dies gilt auch heute noch. So konnten z.B. seit 1990 durch 9 Benefizkonzerte der Bundeswehr und besonderes Arrangement des Schützengenerals Rolf Engels 73000 Euro dem
Förderverein „Hilfe für krebskranke Kinder e.V.“ überreicht werden.
Das Schützenjahr beginnt Mitte Januar mit dem traditionellen Patronatsfest der Sankt Sebstianus Schützenbruderschaft. Christi
Himmelfahrt folgt der Königsvogelschuß, bei dem der Schützenkönig des jeweiligen Jahres ermittelt wird, außerdem der Schülerprinz und der Jugendprinz. Das Ereignis Vogelschuß hat sich in Breinig mittlerweile als
Volksfest etabliert.
Höhepunkt eines jeden Jahres ist die große Sommerkirmes der Bruderschaft, die eingeleitet wird durch die größte Oldie Night in der Region, deren Erfolg jedes Jahr überwältigend ist.
An den darauffolgenden Tagen findet der Königsball mit dem traditionellen Festzug statt.